Interview

von Andrea Brocker

Sieben Fragen an die Künstlerin CG Blanke

Ihre Arbeiten sind Drucke, und doch ist jedes Werk ein Unikat. Möglich macht das ein spezielles Verfahren, das im 17. Jahrhundert für die bildende Kunst erfunden wurde – die Monotypie. Wie sind Sie auf eine so alte Technik gekommen? Hatten Sie ein Vorbild?

Ich habe schon als Schülerin Monotypien hergestellt. Drucktechniken haben mich damals bereits fasziniert. Monotypie ist eine Technik, die ohne Druckerpresse umzusetzen ist. Eine Glasplatte, Farbe und Papier reichen aus. Ob ich damals ein Vorbild hatte, weiß ich nicht mehr. Seit einiger Zeit beschäftige ich mit den Monotypien von Herbert Brandl, Professor für Malerei an der Akademie Düsseldorf.

Vielleicht können Sie kurz erklären, wie man sich den Herstellungsprozess vorstellen muss und welche Materialen Sie verwenden?

Als Druckplatte nehme ich Plexiglas oder Gummi das ich mir zuschneiden lasse. Ich trage die Farbe mit einer Rolle, mit den Fingern oder auch mit dem Pinsel auf und gestalte dann mein Motiv direkt auf der Platte. Oft verwende ich verschiedene Papiere oder Folien, um Formen und Strukturen die ich im Kopf habe gestalterisch umzusetzen. Die lege ich auf die eingefärbte Platte und drucke mehrere Male mit und ohne Papier oder drucke auch nur das eingefärbte Papier. Zwischendurch färbe ich wieder ein, ändere die Farbe ab, setze Akzente. Ein solcher Arbeitsgang dauert viele Stunden. Häufig setze ich an den folgenden Tagen den Prozess fort und bearbeite die gedruckten Blätter weiter. So entstehen dann Monotypien in mehreren Druckgängen.

Auffällig ist der serielle Charakter Ihrer Kunst. Ihre Arbeiten „funktionieren“ zwar auch als Solitäre, entfalten ihre faszinierende Wirkung aber vor allem in der Serie. Haben Sie schon eine konkrete Bildreihe im Kopf, wenn Sie sich ans Werk machen, die Sie dann Stück für Stück umsetzen oder entwickelt sie sich erst während des Schaffensprozesses?

Das Serielle ergibt sich im Grunde direkt aus dem Arbeitsprozess. Denn es entstehen immer mehrere Blätter gleichzeitig. Ich färbe die Platte ein, drucke, verändere, probiere. So versuche ich, sozusagen alle Möglichkeiten eines Arbeitsgangs auszuschöpfen. Eine Bildreihe habe ich dabei nicht direkt vor Augen. Eher ein Thema. Ich starte immer mit dem Thema. Die Bildreihen entwickeln sich dann während des Werkprozesses. Ein Thema ist in unzähligen Varianten erzähl- und darstellbar. Es gibt immer mehrere Möglichkeiten der Annäherung. Eine Serie ist ideal, um diese unterschiedlichen Facetten darzustellen.

Woher beziehen Sie die Ideen, wovon lassen Sie sich inspirieren?

Es sind immer Themen, die mich persönlich etwas angehen. Das ist der Ausgangspunkt. Erinnerungen an meine Kindheit etwa. Damals hatte ich einen imaginären Beschützer und Begleiter. Nur ich kannte ihn. Also frage ich mich: Welche Funktionen hatte er? Wann und warum brauchen vielleicht auch andere Menschen als Kind oder auch sonst eine solche Figur? Welche Rollen nimmt so jemand ein? Wie sieht er aus? Wie kann ich die Aufgaben dieses Beschützers ausdrücken? Die Inspiration kommt aus der Auseinandersetzung mit dem eigenen Leben. Das setze ich in Beziehung zur Umwelt.

Welches Interesse verfolgen Sie in Ihrer Kunst?

Ich möchte Dinge so mitteilen, dass für den Betrachter mein persönliches Thema spürbar ist. Zugleich sollen die Bilder aber so offen sein, dass möglichst jeder mit seinen eigenen Erlebnissen und Erfahrungen Anknüpfungspunkte für den individuellen Dialog mit dem Dargestellten findet. Um nicht zu viel festzulegen, versuche ich eine Bildsprache zwischen reiner Abstraktion und Figürlichem zu finden, die viel Raum lässt.

Sie sind sozusagen spätberufen, haben erst vor kurzem begonnen, künstlerisch zu arbeiten. Gab es einen Auslöser dafür? Oder hat Sie der Gedanke, Kunst zu machen, schon länger umgetrieben?

Eigentlich habe ich einfach nur sehr lange meine künstlerische Arbeit unterbrochen. Als junge Frau war ich ja bereits sehr aktiv. Der Wunsch nach Wiederaufnahme hat mich längere Zeit beschäftigt. Ich habe dann zwischenzeitlich viel fotografiert bis ich entschloss an das anzuknüpfen was ich einmal intensiv betrieben habe, nämlich die Druckgrafik. Immerhin hatte ich bereits Erfahrungen mit Linol- und Holzschnitt, Radierungen und Siebdruck. Und eben Monotypien. Die sind es dann erst einmal geworden.

Wenn Sie eine Ausstellung konzipiert und abgeschlossen haben, brauchen Sie dann im Anschluss erst einmal eine Atempause oder haben Sie schon das nächste künstlerische Projekt im Kopf?

Rein körperlich brauche ich dann eine Pause, weil die Vorbereitung aufwändig und anstrengend ist. Es ist ja auch viel Praktisches zu meistern und zu erledigen. Meist habe ich das nächste Projekt klar vor Augen, eigentlich immer mehrere. Manche brauchen noch ihre Zeit des Experimentierens oder der technischen Erprobung. Andere kann ich noch nicht umsetzen, weil die räumlichen und finanziellen Ressourcen fehlen. Sobald Zeit und Möglichkeit des Fortfahrens kommt, beginne ich mit dem nächsten Schritt. Eigentlich drängt er sich von selbst auf. Ich muss auf jeden Fall weiter machen.